Die Anzahl an körperlichen Angriffen auf Zugpersonal hat sich im Zeitraum von 2015 bis zum Jahr 2024 um 83% erhöht. Im Jahr 2025 kam es zu 980 Messer- und rund 2.200 Sexualdelikten in Zügen und auf Bahnhöfen. 5.660 Gewalttaten wurden ebenfalls im vergangenen Jahr gegenüber Beamten der Bundespolizei verübt. Die seit Jahren von vielen Bahnreisenden wahrgenommene Zunahme an Respektlosigkeiten, Aggressionen und Übergriffen ist also keine gefühlte, sondern eine reale Tatsache. Die schlimmste Attacke stellt in diesem Zusammenhang das Tötungsdelikt an dem 36-jährigen Zugbegleiter in der Nähe von Kaiserslautern dar. Ein Familienvater musste sterben, weil ein Fahrgast ohne Fahrkarte diesen tötete.
Die Deutsche Bahn (DB) hat daraufhin neue Maßnahmen zum Schutz ihres Zugpersonals angekündigt. Ich habe zusammen mit meinem Fraktionskollegen, dem Verkehrspolitiker Rene Bochmann aus Sachsen, mittels einer Kleinen Anfrage die Bundesregierung um Auskunft dazu ersucht, wie sich die aktuelle Sicherheitslage für Fahrgäste und Bahnmitarbeiter darstellt und ob hierzu Verbesserungen geplant sind. Die Antwort der Bundesregierung fällt erstaunlich detailliert aus.
Aktuell verwenden rund 1.400 von 5.500 Kundenbetreuer im Nahverkehr der Deutschen Bahn regelmäßig Bodycams in Regionalzügen. Gemäß der Mitteilung der Deutschen Bahn entfaltet bereits der Hinweis auf den Einsatz von Bodycams durch Zugbegleiter in der Praxis oftmals eine deutlich deeskalierende Wirkung. Übergriffe auf Mitarbeiter der Bahn treten, für mich überraschend, während der Nutzung von Bodycams laut Angaben der DB nur noch in Ausnahmefällen auf. Aktuell werden Pilotprojekte durchgeführt, um zu testen, ob Bodycams auch in Fernzügen eingesetzt werden sollen.
Die meisten Angriffe auf Mitarbeiter der DB erfolgen im Reisezug-Regionalverkehr. Ebenfalls erhöht ist die Zahl an Attacken im Reisezug-Nahverkehr, deutlich geringer hingegen im Fern- und Hochgeschwindigkeitsverkehr. Im Schienenpersonennahverkehr entfielen im Jahr 2025 31 Prozent der Angriffe auf S-Bahn-Züge, 30 Prozent auf Regionalexpresszüge und 24 Prozent auf Regionalbahnen.
Auch das bloße Androhen des Einsatzes von Reizstoffsprühgeräten (RSG) durch das Zugpersonal soll nach Angaben der DB bereits regelmäßig eine abschreckende Wirkung entfalten. Allerdings erfolgt das Führen von RSG durch Zugbegleiter aktuell auf einer rein freiwilligen Basis. Der Pfeffergehalt in den RSG, welche das Bahnpersonal benutzt, ist gegenüber handelsüblichen Tierabwehrsprays deutlich reduziert.
Rund 4.500 Sicherheitskräfte sind bundesweit für die Deutsche Bahn im Einsatz. Angehörige der DB Sicherheit sind aus meiner Sicht hochwertig ausgestattet. So gehören zu den Führungs- und Einsatzmitteln ein Einsatzstock, ein Tierabwehrspray, Handfesseln, schnitthemmende Unterziehkleidung, Stichschutzwesten sowie zum Teil Bodycams. Aktuell wird der Einsatz von Schutzhelmen und von einem Unterziehschutz erprobt. Ebenfalls zu loben ist, dass die Abstimmung von Bundespolizei und DB Sicherheit zu Lageerkenntnissen, Einsatzmaßnahmen, Bestreifungskonzepten, Prävention und Schulungen bereits gut funktionieren soll.
Meine Einschätzung zu der Sicherheitslage von Zugreisenden und Zugpersonal ist gespalten. Es ist erfreulich, dass die Deutsche Bahn der Sicherheit ihrer Mitarbeiter bereits heute einen hohen Stellenwert beimisst. Das war nicht immer so. Die persönliche Ausstattung von Zugbegleitern und Angehörigen von Sicherheitsunternehmen in Zügen und an Bahnhöfen ist gut. Gleichzeitig empfinde ich die Sicherheitslage in Zügen als zu sehr bedroht, um als Parlamentarier der AfD-Bundestagsfraktion die Hände in den Schoß zu legen. Ich werde daher noch in diesem Jahr eine parlamentarische Initiative einbringen, welche einen Beitrag für mehr Sicherheit in Zügen gewährleisten soll. Denn eine Sache sollte jedem von uns klar sein: Angehörige von Beförderungsunternehmen sind auch die Garanten für die Gewährleistung unserer Kritischen Infrastruktur. Sie verdienen es, dass der Staat sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln schützt. Und sie verdienen gesetzliche Reformen dort, wo diese Reformen ihnen helfen.
Ihr Steffen Janich MdB
Quelle:
- Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion: „Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Zugpersonal“, Bundestags-Drucksache: 21/5341